Der Geschmack Umbriens in Potsdam

Familie Giacomino aus Perugia betreibt ein neues Restaurant in der Charlottenstraße

Potsdam – Spaghetti Bolognese oder Pizza sucht man auf der Speisekarte vergeblich. „Das gibt es bei mir nicht“, sagt Domenico Giacomino lachend. Stattdessen bietet er in seinem kürzlich eröffneten italienischen Restaurant Suppen mit umbrischen Linsen und Dinkel, Kaninchenbraten, Stockfisch oder Pasta mit Trüffeln an. „Jede Region in Italien hat ihre eigenen Spezialitäten“, erklärt der aus Potsdams Partnerstadt Perugia stammende Gastronom.

Ein Stück der traditionellen umbrischen Küche bringt er nun nach Potsdam, ins Rosso Giacomino in der Charlottenstraße, das Domenico gemeinsam mit seiner Frau Cinzia und den Töchtern Angelica und Argenta betreibt. Seine Jüngste ist 18 Jahre alt und geht noch zur Schule. Zwei weitere Mitarbeiter aus Italien ergänzen das Team. Pasta mit Rucola und Kirschtomaten und Cordon Bleu mit frittierten Auberginen stehen heute auf der Tageskarte, acht und 12,50 Euro kosten die beiden Tagesgerichte. „Die Leute hier lieben die italienische Küche“, weiß der Restaurantinhaber. Und auch seine umbrischen Spezialitäten kämen gut an.

Restaurant Rosso Giacomino, Charlottenstrasse Potsdam (Klaer)

Für Familie Giacomino ist Potsdam das neue Zuhause, jedoch kein Neuland: Seit 13 Jahren verkauft Domenico Giacomino jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt in der Brandenburger Straße Spezialitäten aus Umbrien. Eine davon ist besonders beliebt: gewürzter Rotwein. Welche Zutaten dort drin sind? „Das darf ich nicht verraten“, sagt der 63-Jährige lachend. Nur so viel: Es sind besondere umbrische Gewürze. „Der Rest ist ein Familiengeheimnis.“

Nun sind die Giacominos dauerhaft nach Potsdam gekommen. Drei Monate lang haben sie die ehemalige Gaststätte „Zum Fass“ restauriert. Vor vier Wochen haben sie ihr neues Restaurant eröffnet. Der rote Hummer auf dem Eingangsschild zeigt an, dass es im Rosso Giacomino auch eine große Auswahl an Gerichten mit Meeresfrüchten und Fisch gibt. Die Innenräume sind in warmen Braun-, Rot- und Goldtönen gestaltet, eine Vielzahl von italienischen Rotweinen säumt die Regale an den Fenstern. Auf einem Sims unter der Decke stehen handbemalte Vorratsdosen aus Keramik – traditionelle Handwerksarbeit aus der umbrischen Kleinstadt Deruta.

Im gemütlichen Hofgarten, wo ebenfalls Tische und Stühle stehen, sorgt ein Zitronenbäumchen für eigenes südliches Flair: Üppig behangen mit gelben Früchten und zarten cremefarbenen Blüten. Domenico Giacomino zupft ein paar Blätter ab. „Riech mal!“ Es duftet frisch zitronig, das Bäumchen hat der Gastronom aus Italien mitgebracht. Auf einem Beet stehen Töpfe mit Majoran, Salbei, Thymian oder Estragon. Kräuter, die der Gastwirt frisch in seiner Küche verwendet.

Der Arbeitstag von Domenico Giacomino ist lang: Früh um sieben beginnt die Fahrt zum Einkauf. Meistens nach Berlin, denn dort bekommt er original italienische Ware. Und darauf legt er Wert. Salami, Käse, Schinken Olivenöl – viele der Zutaten, die er in seiner Küche benötigt, bezieht er auch auf direktem Weg aus seiner Heimat. „Meistens von kleinen, regionalen Betrieben“, erklärt er. Zwei- bis dreimal pro Jahr fährt seine Frau nach Italien, um für Nachschub zu sorgen und die Kontakte zu den Händlern aufrecht zu erhalten. Auch den Wein beziehen die Giacominos immer direkt aus Italien.

Gegen zehn Uhr ist Domenico in seinem Restaurant, bereitet den Teig für die Nudeln vor, backt Kuchen und Brot, deckt die Tische. „Ich bin immer hier“, sagt er. Später wird er selbst die Gäste bedienen und auch am Tresen stehen. „Jeder von uns kann alles und ist flexibel einsetzbar.“ Gegen 23 Uhr gehen die letzten Gäste, dann heißt es aufräumen und putzen.

Seit 40 Jahren ist Giacomino Gastronom – mit Leib und Seele, betont er. „Es macht mir Freude, und das ist das Wichtigste. Nur zu arbeiten, um Geld zu verdienen, das wäre nichts für mich.“ Wenn die Gäste zufrieden sind, sei er es auch. Am liebsten steht er in seiner Küche und probiert neue Rezepte aus. Es sind meist alte Familienrezepte, die er variiert und verändert. 23 Jahre lang hat er ein Restaurant in der Innenstadt Perugias geführt. Vermisst er nicht Italien, die Wärme, die Gelassenheit der Menschen? „Nein“, sagt er, er habe kein Heimweh. Potsdam habe alles, was er brauche. „Es ist schön hier und nicht so stressig. Ein guter Ort zum Leben.“

Das Rosso Giacomino in der Charlottenstraße 22 hat täglich von 12 bis 14.30 Uhr und von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Tel.: (0331) 23 16 09 00

 

Brun: http://www.pnn.de/potsdam/1193157/